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Vier Leben Es ist nicht die Aufgabe einer Notstation, Menschen öffentlich anzuprangern, die für Einzelschicksale verantwortlich sind - aus Unwissenheit, Ignoranz oder was auch immer. Der Mensch ist vielschichtig. Und so auch die Geschichten der Notschweinchen, die in der Notstation landen.
Es ist aber das Recht einer Notstation, diese Geschichten zu erzählen und manchen Tieren einen Namen zu geben und sie, beseelte Lebewesen mit Empfindungen, der Öffentlichkeit vorzustellen. Ein ganz besonderes Meerschweinchen ist Jessy, die - wenn es Zufälle gibt - nur durch Zufall bei mir gestrandet ist. Ob sie sonst noch wäre, wer weiß das schon. Mit einer alten Augenverletzung und sehr dünn kam sie hier an, selbst noch ein Kind mit 450 gr. Und nach wenigen Wochen stellte sich heraus, daß sie trächtig war zu allem Übel. Auf dem Foto ist sie etwa eine Woche vor der Geburt
Am 6. Juli um 10 Uhr morgens war es dann so weit, sie schenkte drei kleinen Babies das Leben. Und sie ist die beste Mutter, die Meerikinder haben können. Ihre Kinder wissen nichts davon, wie die Welt und die Menschen manchmal sein können, und sie werden es hoffentlich auch niemals erfahren. Jessy weiß es.
Sie können leiden und empfinden - aber sie können sich nicht wehren. Sie brauchen Menschen, die nicht achtlos an ihnen vorübergehen. Ob Jessys Auge eines Tages operiert werden muß, steht in den Sternen. Und auch, wie sie ihre Vergangenheit verarbeiten wird. Sie ist extrem scheu - wer mag ihr das auch verdenken. Wenn sie sich aufregt, beginnt ihr Kopf leicht zu kippen. Aber sie kann quieken wie ein Weltmeister, wenn ich in die Küche gehe:-) Ihre Geschichte ist eine unter vielen. Nur viele werden niemals bekannt und nur wenige haben ein 'Happy End'.
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